Eine Gruppe stellt den sogenannten „Hochadel“ um Olga Nikolajewna Romanowa (1822–1892) dar und flaniert gerne um die Villa Berg in Stuttgart.
Die obengenannte Frau war ab 1864 als Königin Olga von Württemberg bekannt.

Heute waren wir als Zeitreisende im Park um die Villa Berg in Stuttgart unterwegs und trafen zufällig auf den sogenannten „Hochadel“.
Wir grüßten höflich, doch bekamen im wahrsten Sinne des Wortes nur ein Naserümpfen als Antwort von ihnen.
Man konnte die Bewegung der Nase im Gesicht überdeutlich sehen.

Uns kam eine Erinnerung, als wir mit ihnen Kontakt aufnahmen.
Wir fragten vor einem Jahr nach, ob wir bei ihren Flaniergängen als „Zeitreisende in viktorianischen Kleidung“ dazukommen könnten. Dies war eine sehr höfliche Anfrage, denn die Zeitepoche der Herrschaft von Olga und das viktorianische Zeitalter passten historisch zusammen.
Als Antwort kam eine arrogante, schroffe Ablehnung, dass wir sowas zu unterlassen hätten und sowas in keinster Weise gewünscht noch toleriert würde.
Arroganter wurde es noch, als man uns schrieb, wir könnten ja abseits stehen und Fotos machen, aber dann generell nur mit Zivilkleidung.
Das war ehrverletzendes Gehabe.

Heute kamen wir durch Zufall zu ihnen. Zwei von ihnen erwiderten unseren Gruß, doch die Protagonistinnen rümpften die Nase, im wahrsten Sinne des Wortes.

Auch unser „Schön, Sie zu treffen!“ erntete nur Missgunst.
Hinter unserem Rücken wurde negativ über uns hergezogen.
Wir haben es gehört, obwohl es leise war.

Wir sind als Botschafter unterwegs und haben viele verschiedene Gruppen bekannt gemacht und zusammengebracht, doch was wir heute erleben mussten, schlägt jeglicher Diplomatie vonseiten des sogenannten „Hochadels“ den Boden aus.

P.S.
Wie man auf dem Bild sieht, möchte die Edelfrau von Syntronica auch gar nicht mit auf das Bild mit dem sogenannten „Hochadel“.

By the way
Der sogenannte „Hochadel“ setzte sich aus mehr als zwei Haushalten zusammen.
Bei dem Gruppenfoto oben posierte man mit einem Passanten im Rollstuhl.
Niemand trug übrigens eine Maske und der Abstand wurde auch nicht gewahrt.

Ein Bericht unseres zeitreisenden Reporters aus Berlin

Berlin, 18. März 1848. “Der König will, daß Preßfreiheit herrsche; der König will, daß der Landtag sofort berufen werde; der König will, daß eine Konstitution auf der freisinnigsten Grundlage alle deutsche Länder umfasse; der König will, daß eine deutsche Nationalflagge wehe; der König will, daß alle Zollschlagbäume fallen; der König will, daß Preußen sich an die Spitze der Bewegung stelle“, kann man im Extrablätter der „Allgemeinen Preußischen Staatszeitung“ lesen.
Dieses wurde in die demonstrierenden Massen hinein gereicht.

Die Bürger waren am Morgen auf den Schlossplatz gedrungen, um ihrem Verlangen Nachdruck zu verleihen.
König Friedrich Wilhelm Ⅳ. sah sich schließlich gezwungen, das Militär aus Berlin abzuziehen und den Demonstranten politische Zugeständnisse zu machen.

Bis zum Sommer wird es zu einer vorübergehenden Liberalisierung kommen und eine liberale Märzregierung wird ernannt werden, sowie eine frei gewählte Nationalversammlung wird mit der Ausarbeitung einer Verfassung für Preußen beginnen.

Ein weiterer Schritt zur Demokratie.

Diesen Artikel als „Gesprochenes Wort“ anhören.

„Der Sekundenzeiger der Geschichte“ wird in Kürze Nachrichten als „Gesprochene Wort“ veröffentlichen.
Die Vorbereitungen dazu laufen bereits auf Hochtouren.

„Der Sekundenzeiger der Geschichte“ – immer dabei, wenn etwas passiert, gleichwohl, ob in der Vergangenheit, Zukunft oder Gegenwart.

Hier gibt es die Gesprochenen Nachrichten zu hören.

Im Jahre des Herren 1832 materialisierten wir mit unserem Zeitschiff in der Stadt Kassel – damals noch Cassel geschrieben.
Dort trafen wir zwei Gründerväter der Germanistik, Jacob und Wilhelm Grimm.
Diese sammelten Kinder‑ und Hausmärchen und schrieben diese in sein Büchlein.

Beide saßen in einem Lokal. Jacob wiederholte immer wieder: „Ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß.“
„Ich bin mir nicht sicher“, wandte Wilhelm ein, „ob wir es so niederschreiben sollten.“
Jacob wiederholte die Phrase unbeirrt weiter. Irgendwann gab sein Bruder auf und schrieb es auf.

Wir machten von den Beiden mit unserem Iconographen ein Lichtbild und verschwanden wieder.

Abends lagen wir in den Betten des Schlafgemachs unseres großen Zeitschiffs.

Ich, Dietmar, Edelherr von Syntronica, lag nachts wach.

Ich ging irgendwann zur Chrono-Aviations-Einrichtung und startete sie.
Nach einigen Minuten Fahrt durch Blitze und Lichter befanden wir uns im Jahr 1463.
Wir verließen das Schiff und begaben uns zum bunten Markttreiben in die Reichsstadt Wimpfen, wo man munkelte, die Herren von Weiler wollten diese an die Stadt Heilbronn veräußern.

An einer Holzhütte stand ein kurioser Typ, der sich dem Met völlig hingab und irgend etwas schwafelte.

Heute back ich, morgen brau ich,
übermorgen hol ich der Königin ihr Kind;
ach, wie gut, dass niemand weiß,
dass ich Rumpelstilzchen heiß!

Dann kamen Söldner auf uns zu und wollten von uns Vornamen wissen.
Wir sagten „Sabine und Dietmar“.
Worum es auch immer ging!

Eine wohlhabend aussehende Frau hörte aufmerksam dem komischen Kauz zu, wie er ziemlcih undeutich sang.

„Rumpelstilzchen!!“, sagte sie zu sich, kreischte kurz und verschwand.

Der Betrunkene sang weiter sein Lied, während er über den Markt torkelte und Leute anstieß.

Heute back ich, morgen brau ich,
übermorgen hol ich der Königin ihr Kind;
ach, wie gut, dass niemand weiß,
dass ich Rumpelstilzchen heiß!

„Mein Gemahl!“, rief eine süße Stimme, „es ist Zeit zum aufstehen”“

„Ach wie gut, dass niemand weiß ….“, murmelte ich, während ich aufwachte.
„Hast Du an unsere Zeitreise bei Gebrüder Grimm gedacht?“, fragte meine Gemahlin.
Ich erzählte ihr meinen Traum mit dem sturzbetrunkenen Rumpelstilzchen, und wir lachten beide.

„Vielleicht sollten wir bei den Gebrüder Grimm nochmal vorbeifliegen“, meinte meine Gemahlin, „und ihren den wahren Beweggrund nennen, warum Rumpelstilzchen wirklich seinen Namen verriet.“

Jeder weiß, dass sich der niederländische Maler Vincent Van Gogh unter Einfluss von zu viel Absinth ein Ohr abschnitt.

„Der Sekundenzeiger der Geschichte“ erzählt die wahre Geschichte, wie es dazu kam. 

Im Januar des Jahres 1888 hatten zwei Mitglieder der „Behörde zur Ermittlung Temporärer Distorsionen“ – kurz „Department Z.“ oder „Zeitpolizei“ genannt – einen Einsatz in Paris.

Sergeant Sabienne Du Vent und Sergeant Didier Du Vent landeten an einen kalten Wintertag dort.
Sie nahmen nach einer Verfolgungsjagd durch die Zeit einen Halunken fest, der Kunstwerke gestohlen hatte, damit durch die Zeit gereist war und diese in verschiedenen Epochen meistbietend veräußert hatte.

Diese Festnahme geschah bei einem Kunstauktionator namens Goupin, der unter anderem auch Werke von Vincent Van Gogh veräußert.

Was mit dem Kunsträuber geschah, ist für die Geschichte der Menschheit völlig irrelevant.
Was aber temporär sehr relevant war, war eine Entdeckung, als die oben genannten Zeitpolizisten kurz vor Weihnachten im gleichen Jahr noch mal in Paris unterwegs waren und nach einem sogenannten Zeit-Lagerer fahndeten.

Sie schauten durch Zufall durch ein Fenster des Hauses, in dem Vincent Van Gogh lebte, und erschraken.

Dort stand ein Gemälde, das Sergeante Sabienne Du Vent zeigte.

Sie verschafften sich Einlass und tapsten leise durch das Haus.
Plötzlich überraschte sie Vincent Van Gogh.
„Was machen Sie hier?“ rief der sichtlich angetrunkene Maler und schwank seine Flasche Absinth locker in der Hand haltend von links nach rechts.
Sergeant Didier Du Vent hielt ihm seine beeindruckende achtläufige Waffe unter die Nase.
„Stören Sie uns nicht!“ raunzte er ihn an, „Wo kommt dieses Gemälde her?“
„Das habe ich gestern fertiggestellt“, antwortete er mit alkoholbeladener Stimme und tippte mehrmals mit seinem Zeigefinger auf das Bild, „Ah, schon trocken.“
„Warum haben Sie mich gemalt?“, wollte Sergeante Sabienne Du Vent wissen.
„Meine Liebe, endlich sehe ich Sie wieder. Es war im Januar. Ich dachte schon, es würde nie geschehen. Glück trifft mich gerade an diesem schweren Schicksalstag.“

„Er hat heute Nachricht von seiner Mutter und seinem Bruder Theo erhalten, dass Theo heiraten will“, sagte ihr Kollege, „weil er das nicht gutheißt und kaum verkraftet hat, gibt er sich dem Absinth hin.“
„Quelle histoire, vraiment !“, seufzte sie.
„Wo wissen Sie das her?“, rang Van Gogh nach Worten.
Sergeant Didier Du Vent sagte mit emotionsloser Stimme: „Wir kommen nicht von hier und wissen alles, was passiert, passierte und noch passieren wird.“
„Sie sind so süß, eine wahre Augenweide“, lobte Van Gogh die Zeitpolizisten, „es drängte sich die Sehnsucht seit langem auf, Sie wiederzusehen, aber die Depression, dass Sie für immer verschwunden sein könnten, legte mir gestern Morgen die Pinsel in die Hand, dass ich Sie malen solle, um zumindest so das Wiedersehen an den heiligen Tagen feiern zu können. Doch nun sind Sie wirklich da. Mein Flehen wurde erhört.“
Van Gogh fasste ihre Uniform an und zupfte an den goldenen Litzen, musste sich aber gefallen lassen, dass er eine Ohrfeige bekam.
„Lass das!“
„Que belle!“, schwärmte er unbeirrt und trank dabei weiter von dem grünen Getränk.

„Wir müssen das Gemälde mitnehmen. Es ist ein durch unsere Unaufmerksamkeit entstandenes Zeit-Paradoxon.“
„Oui!“, antwortete seine Kollegin nickend, „Gut, dass wir zufälligerweise heute das Bild hier sahen. Was hätte passieren können! Mon Dieux!“
Dann wandte sie sich an den Maler: „Haben Sie noch Skizzen von mir oder noch mehr Gemälde? Das würde mich freuen zu sehen.“
„Non, Madame Engelsgesicht. Nur dieses eine Meisterwerk, das Ihre ganze Schönheit zeigt.“
„Hat es schon jemand gesehen?“
„Non Madame. Nur wir!“
„C’est bon!“, machte Sergeant Didier Du Vent und nickte seiner Kollegin zu. Er nahm seine riesige Waffe hoch und drückte sie Van Gogh unter das Kinn. Dieser schrie auf.
„Wir raten Dir, dass Du nie mehr ein Gemälde von ihr malst und auch nie eine diesbezügliche Zeichnung anfertigst.“
Er drückte die Waffe noch härter ans Kinn: „Ansonsten sehe ich mich gezwungen, Dich zu töten und Deine Eingeweide in alle Himmelsrichtungen zu verteilen.“
„Bitte tun Sie mir nichts!“ krächzte Van Gogh, Ich werde alles tun, was Sie befehlen.“
Sergeante Sabienne Du Vent hatte derweil das Gemälde in ein Laken geschlagen und hielt es fest.
„Und … Vincent … Wenn Du auch nur einer Fliege von dem Gemälde erzählst, kommen wir wieder und nehmen Dich auseinander, Jedes Stück Deines Körpers einzeln.“
„Das mache ich nichts.“
„Wir sind überall und bewachen Dich.“
Dann verließen die beiden Zeitpolizisten das Haus.
Etwas später hatten sie das Bild in ihrem Gefährt versteckt.

In seinem Haus stand ein ziemlich verwirrter Vincent Van Gogh und schüttete Absinth in rauen Mengen in sich hinein. Es war wohl alles zu viel für ihn geworden.

Noch am Abend dieses 23. Dezembers 1888 schnitt er sich im Absinth-Rausch ein Ohr ab und übergab es der Prostituierten Gabrielle Berlatier mit den Worten: „Bewahre dieses Objekt pfleglich auf!“
Diese brachte es in ein Krankenhaus in Arles, wo es mehrere Jahre in einem Glas mit Alkohol konserviert stand und irgendwann auf Nimmerwiedersehen verschwand.

Es war Kaffeezeit. Sabine Edelfrau und Dietmar Edelherr von Syntronica saßen in bordeauxfarbenen Samtsesseln am großen Mahagoni-Tisch und nippten am schwarzen dampfenden Getränk, das sich in bunten Porzellantassen befand.
Das Gaslicht brannte hell und erleuchtete den nobel eingerichteten Raum.

Der Edelherr legte den „Sekundenzeiger der Geschichte“ an die Seite und meinte: „Genug Politik und Wirtschaft für heute. Ich bin etwas von den Erlebnissen kaputt.“
„Frag mich mal. Es war ja auch nichts Alltägliches.“
“Das kannst Du laut sagen!”
Er stand auf und stellte die Teller übereinander, um sie wegzubringen.
„Möchtest Du irgendetwas aus der Küche?“
„Nein, danke!“
Nach ein paar Minuten kam er zurück und stellte einen kleinen Teller mit Macarons auf den Tisch. Er nahm die Zeitung und hängte sie wieder an den Ständer, von der er sie entnommen hatte. Er strich sie vorher gerade und begab sich Richtung des Tisches.
Die Edelfrau war aufgestanden und schaute aus dem Fenster. Sie schüttelte den Kopf und drehte sich zu ihrem Gatten.
„Carpe Noctem!“
„Wir haben es gerade mal halb fünf“, entgegnete der Angesprochene.
„C-a-r-p-e N-o-c-t-e-m“, wiederholte sie etwas lauter und langsamer. Sie bewegte ihren Kopf Richtung des Fensters, durch das man den Vorplatz des Landsitzes sehen konnte.
„Carpe Noctem“, sagte der Edelherr mit verblüfftem Gesicht.

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Durch den Erlass, dass Zeitreisen innerhalb der Zeit der weltumspannenden Epidemie verboten sind, ist es für Unternehmen wie das Zeitreisebüro Chrono.Tours schwer geworden.


Der „Mercator Tempus Itinerantur“ von Chrono.Tours, Dietmar Edelherr von Syntronica, erzählte uns, wie sich seine Compagnie über Wasser halten kann.

„Es gibt keine Probleme“, beginnt er, „es gibt nur Herausforderungen.“ und lässt sich in den Sessel sinken, „Chrono.Tours war anfangs ruinös, als meine Herzallerliebste und ich es übernahmen, aber wir haben es zu einem großen Unternehmen gemacht. Es floriert und wächst seit Jahren.“

Er erzählt, wie er zu Chrono.Tours gekommen war.

„Wir hatten einst selbst eine Zeitkreuzfahrt gemacht. Zu der Zeit hieß es noch Äther-Tours. Wir waren begeistert von dem Angebot. Wir freundeten uns mit den Besitzern an. Leider mussten wir feststellen, dass der damalige Besitzer leider der Spielsucht verfallen war. Wir besitzen eine Einhorn-Stallung mit Rennbetrieb und hatten ihn und seine Gattin eingeladen. Er verlor viel Geld bei der Einhorn-Wette. Seine Gattin klagte darüber, nachdem er viel verloren hatte. Wir halfen ihnen mit einer Bürgschaft, doch die Probleme hielten an.“

Er malt ein schlimmes Bild der Spielsucht. Die Edelleute von Syntronica konnten noch immer die Verluste durch Anleihen katalysieren, doch es wurde durch die Sucht ein Fass ohne Boden.

„Da die Compagnie stagnierte, obwohl gute Gewinne gemacht wurden, mussten wir irgendwann die Bremse ziehen“, sagt er, „wegen der anfänglichen Bürgschaft hatten wir Einlagen geschaffen, die sehr schnell aufgebraucht waren. Wir stellten ihn vor die Wahl. Er gab erst klein bei, doch dann kamen wir dahinter, dass die Wartungsarbeiten an den Schiffen nicht gemacht wurden und er das Geld für Wetten genutzt hatte. Wenn man einen Süchtigen weiter unterstützt, zieht er einen mit herunter. Wir zogen uns irgendwann heraus und kündigten die Freundschaft. Ein Vierteljahr später trafen wir seine Gattin, die uns sagte, ihr Mann habe Suizid begangen aus dem Antrieb heraus, dass er die Schulden nicht mehr tilgen konnte.“

Edelherr von Syntronica verharrte kurz und schüttelte den Kopf.

„Da Maélis – So heißt sie mit Vornamen. – mit den Nerven herunter war, kauften wir ihr das verschuldete Unternehmen ab. Die Hälfte der Schiffe mussten generalüberholt werden. Wir schafften neue Angebote und schafften es, Kunden zurückzugewinnen. Wir änderten den Namen, um einen Neuanfang zu starten. Nun sind wir eine große Compagnie.“

Er nippt von der Tasse Kaffee.

„Wir von Chrono.Tours geben nicht auf. Aus einem ruinösen Schuldenloch sind wir durch neue innovative Ideen herausgekommen. Dadurch das ich schon das Vakzin in mir trage, habe ich die Konzession erhalten, zumindest wieder Individualreisen zu machen, zusammen mit meiner Herzallerliebsten versteht sich. Wir haben uns während der Epidemie Gedanken gemacht und werden, wenn das Zeitreiseverbot aufgehoben wurde – viele neue Angebote präsentieren. Soviel kann ich verraten, die neuen Angebote werden aufregend.“

Das Zeitreisebüro Chrono.Tours ist eines der Unternehmen, die sich nie geschlagen geben und immer neue Ideen haben.

Auf dem ganzen Globus wütet die Seuche seit knapp einem Jahr.
„Der Sekundenzeiger der Geschichte“ durfte auf Anfrage einen sogenannten „Pest-Doctor“ bei seiner Arbeit begleiten. Natürlich darf nicht alles preisgegeben werden.

Es ist morgens halb sechs.
Der Angestellte der „Departments für Medizin und Hygiene“ verlässt sein Haus und begibt sich mit der pferdelosen Kutsche zum Bureau.

Dort zieht er sich um und trägt nun seine schwarze mit silbernen Knöpfen besetzte Jacke. Der Rest der Kleidung ist ebenfalls in Schwarz gehalten. Der Zylinder mit den Spike-Googles vermittelt genauso Autorität wie die Vogelmaske.
Diese zieht er aber erst später über.

„Sechs Uhr“, sagt er, nachdem er kurz die Berichte gelesen hat, „Es ist wichtig, immer auf dem Laufenden zu sein. Es gibt immer wieder neue Gesetze zur Eindämmung der Seuche. Was gestern noch galt, kann heute schon Vergangenheit sein.“

Bevor eine die Ehrfurcht erregende Vogelmaske aufsetzt, hängt er sich seine gewaltige achtläufige Waffe – Er nennt sie „Brainsaw“ – um.

„Ich bin gespannt, was der heutige Tag bringt.“

Er tritt hinaus in die kalte Luft von Monasteria und beginnt seine Runde.
Er schaute immer wieder nach links und rechts. Dann horcht er. Auf dem großen Dom-Platz mit den ehernen Käfigen ist es zugig und eiskalt. Schnee liegt auf dem Boden, dazwischen Eis, das vom geschmolzenen Schnee vor Einbruch der Dunkelheit herrührt.
Es ist leicht nebelig und die Feuchtigkeit zieht durch die Glieder.

Auf dem Marktplatz hält eine mit Pferden bespannte Kutsche. Zwei Personen stehen neben den Bänken und dem Holzhäuschen.
„Bitte setzen Sie Ihre Gesichtstücher auf!“, ruft ihnen der Pest-Doktor entgegen, „auch auf dem Gelände der Personenverkehrsbranche besteht Vermummungspflicht.“
Beide erschrecken, stellen ihr Gespräch ein und verhüllen sich.
„Vielen Dank! So helfen Sie alle zu schützen“.

„Es ist wichtig, die Bürgern nicht nur zu ermahnen, sondern auch das Gefühl zu vermitteln wie wichtig die Seuchen-Regeln sind.“

Plötzlich vibriert der gold-bordeaux-farbene Telefonhörer, der an seinem Kragenspiegel hängt. Die Leitung führt in die Gürteltasche.
„Ja, bitte?“
Er lüftet kurz die Vogelmaske, während er sich zum Häuschen dreht.
„Gut, in zehn Minuten bin ich dort.“

„Nahe des Da-Vinci-Museums war ein Aufmarsch, der gegen die momentanen Seuchen-Regeln verstößt. Da hier die Luft rein ist, werde ich mich zum Marktplatz begeben, da Kollegen am Museum sind. Sowas passiert alle paar Tage mal.“

Nach zehn Minuten geht der Pest-Doctor über dem Marktplatz Patrouille.
Zwei Personen ohne Vermummung kommen ihm entgegen, drehen doch sofort um.
„Bleiben Sie stehen!“, ruft der Pest-Doctor und beginnt zu rennen, „Stopp! Bleiben Sie stehen! Hören Sie? Stehen bleiben!“
Urplötzlich springen noch zwei Pest-Doctores zwischen zwei Häusern hervor und versperren den Zweien den Weg.
„Meine Herren! Hier ist für Sie Endstation, vorerst.“

Obligatorisch werden die Ausweise kontrolliert. Einer von ihnen hat seinen nicht dabei und wird ein paar Minuten später der Ordnungsbehörde übergeben, die alles Weitere veranlassen wird.

„Die Vermummungsantipoden sind sehr gefährlich für die Bürger und Mitmenschen“, erzählt der Pest-Doctor, „Sie könnten wie jeder andere die Seuche in sich haben und sie vielleicht ahnungslos an andere weitergeben. Sie sind stellenweise sehr rabiat.“

An der Schlottbom-Schule trudeln die ersten Lehrer und Schüler ein. Beim Anblick des Perst-Doctors ziehen viele vorsichtshalber nochmal ihre Vehüllungen fest.

So geht es den ganzen Tag bis um vier Uhr nachmittags.
Irgendwo stehen Personen zusammen und unterhalten sich ohne Verhüllung.
Mehrfach schreibt der Perst-Doctor Verwarnungen oder Strafmandate. Viele sind rabiat und sehen ihre Fehler nicht ein.
„Wer nicht hören will, muss fühlen“, kommentiert der Pest-Doktor.

Irgendwann ist vier Uhr nachmittags und die Schicht in der Kälte ist vorüber.
Im Bureau des „Departments für Medizin und Hygiene“ ist es schön warm.
Der Pest-Doctor kleidet sich um und schreibt noch kurz seinen Bericht.

„Eigentlich ein Tag wie jeder“, sagt er, „Morgen geht es um sechs Uhr wieder los. Nächste Woche bin ich dann wieder in der Verwaltung tätig.“

Als Geschenk bekommen wir zwei kleine Pest-Doctores in Wolle.

„Holde Maid, edler Recke, zieht das nächste Mal Kleidung in gesetzten Farben an! Nicht dass man meinet, Ihr wäret Vogelfreie. Oder viel schlimmer – Euch der Häresie bezichtigt.“
Die beiden Personen, denen der Rat galt, fühlten sich nicht angesprochen. Die Frau und der Herr schauten den an, der sie angesprochen hatte. Sie wollten etwas sagen, doch dann kam Bewegung in die Masse der langsam voranschreitenden Menschen.

„Macht Platz! Aus dem Weg!”, rief eine dominante Männerstimme, “Macht Platz für den Amtsschreiber! Aus dem Weg!“
Er ließ seine Peitsche vom Pferd aus kreisen und die Enden sehr nahe an den Köpfen des „Pöbels“ knallen, sodass diese erschraken und Reißaus nahmen oder sich demütig hinknieten und ängstlich verharrten.
Das Geklapper der Pferdhufe auf den Wegen wurde lauter.
Ein kleiner Tross ritt mit hohem Tempo durch Bebelingen. Dazwischen zogen Pferde eine Kutsche, in der der Amtsschreiber Joachim Aytinger saß. Er schaute nicht hinaus, sondern starrte auf irgendetwas, das auf seinem Schoß lag.
Als die Berittenen weg waren, begann das Treiben wieder an Worte und Bewegung zu gewinnen. Mitten drin die beiden, die etwas bunter angezogen waren als die anderen.


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