Es war Kaffeezeit. Sabine Edelfrau und Dietmar Edelherr von Syntronica saßen in bordeauxfarbenen Samtsesseln am großen Mahagoni-Tisch und nippten am schwarzen dampfenden Getränk, das sich in bunten Porzellantassen befand.
Das Gaslicht brannte hell und erleuchtete den nobel eingerichteten Raum.

Der Edelherr legte den „Sekundenzeiger der Geschichte“ an die Seite und meinte: „Genug Politik und Wirtschaft für heute. Ich bin etwas von den Erlebnissen kaputt.“
„Frag mich mal. Es war ja auch nichts Alltägliches.“
“Das kannst Du laut sagen!”
Er stand auf und stellte die Teller übereinander, um sie wegzubringen.
„Möchtest Du irgendetwas aus der Küche?“
„Nein, danke!“
Nach ein paar Minuten kam er zurück und stellte einen kleinen Teller mit Macarons auf den Tisch. Er nahm die Zeitung und hängte sie wieder an den Ständer, von der er sie entnommen hatte. Er strich sie vorher gerade und begab sich Richtung des Tisches.
Die Edelfrau war aufgestanden und schaute aus dem Fenster. Sie schüttelte den Kopf und drehte sich zu ihrem Gatten.
„Carpe Noctem!“
„Wir haben es gerade mal halb fünf“, entgegnete der Angesprochene.
„C‑a-r-p‑e N‑o-c-t-e‑m“, wiederholte sie etwas lauter und langsamer. Sie bewegte ihren Kopf Richtung des Fensters, durch das man den Vorplatz des Landsitzes sehen konnte.
„Carpe Noctem“, sagte der Edelherr mit verblüfftem Gesicht.


Langsam schwebte das Schiff auf dem Platz vor dem Landsitz der Edelleute von Syntronica zu. Am Heck hatte es eine langgezogene dünnbauchige Form. Zum Bug hin spitzte es sich ein bisschen zu. An den Tragflächen trug es Propeller kombiniert mit Düsen davor. Es war in bronzefarben gehalten. Die Propeller drehten sich um neunzig Grad gen Boden und das Schiff setzte nach einem kurzen Aufwirbeln von Staub auf. Der Bug öffnete sich etwa einen Meter vor dem Cockpit.
Dann verstummten die Motoren
Langsame schleppende Schritte gepaart mit Stöhnen aus dem Inneren waren zu hören.
Die Edelleute von Syntronica standen bis zur Landung vor dem Haus. Dann gingen sie langsam auf das Flugschiff zu. Als beide davor standen, trat ihnen ein hochgewachsener Mann entgegen.
Er trug dunkelbraune Kleidung, die aussah wie aus dem Mittelalter. Er hielt sich den rechten Arm mit dem linken fest. Er lächelte schmerzverzerrt.
„Blackrock!“


„Guten Morgen!“, sagte Sabine Edelfrau von Syntronica zu dem Mann, der wankend und humpelnd in das Frühstückszimmer kam. Auch der Edelherr grüßte ihn. „Kaffee?“
„Guten Morgen“, entgegnete der Mann, an dessen rechten Arm sich ein Verband befand. Er nahm den angebotenen Stuhl und setze sich mit leichtem Stöhnen langsam hin. Der Edelherr schob ihm eine Tasse Kaffee hinüber, die er gerade eingeschenkt hatte.
„Vielen Dank für das Verarzten, gnädige Frau!“, machte er und nickte ihr zu, „Auch vielen Dank, dass Ihr mich gestern Abend aufgenommen habt.“
„Vorgestern!“, korrigierte der Edelherr.
Der Mann ließ fast seine Kaffeetasse fallen, die er gerade an den Mund setzen wollte: „Das ist nicht Dein Ernst.“
„Doch! Sabine hat Dir ein Sedativum gegeben, danach hat sie die Kugel aus Deiner Hüfte entfernt und die Schulter wieder eingerenkt.“
„Keine Angst, sie steckte nur im äußeren Muskelbereich außerhalb des Hüftknochens.“
„Vielen Dank!“
„Du sahst ziemlich fertig aus“, sagte die Edelfrau, „heute geht es wieder. Ein paar Falten sind aber geblieben. Du konntest Dich vorgestern kaum halten.“
„Meine Mission war nicht ohne“, begann Blackrock, stockte und riss schnell seinen Arm hoch. Er schaute nach unten. Er grinste.
„Seit wann habt Ihr einen Hund?“
„Die Cora haben wir auf einer Zeitreise mitgenommen“, sagte die Edelfrau und schaute etwas traurig; „ansonsten wäre sie verhungert und gestorben.“
Blackrock blickte sie an und meinte mit ernstem Gesicht: „Du weißt aber schon, dass dies gegen die Direktive 2, 7 und 9 verstößt?“
Sabine von Syntronica schaute ihn grimmig an: „Die Ausgangslage war allerdings eine völlig andere. Die von Dir genannten Direktiven galten in diesem speziellen Fall nicht.“
„Da bin ich aber gespannt.“


„Es war im Jahr 1513, als wir durch ein verlassenes Haus gingen und ein Jaulen hörten. Wir gingen dem nach und fanden eine Tür, hinter der dann gebellt wurde. Wir machten diese auf und von da an ließ uns DIE HÜNDIN nicht mehr aus den Augen.“
„Dann habt Ihr den Hund einfach auf Euer Schiff mitgenommen“, warf Blackrock ein, erntete aber einen bösen Blick.
„Nein, DIESE HÜNDIN nahmen wir erst nicht mit“, korrigierte die Edelfrau, „das geschah erst, als wir zufällig wieder zu diesem Haus kamen, allerdings 34 Jahre später.“
„Du willst mir jetzt aber nicht weismachen, dass der Hund über 30 Jahre alt ist“, wandte ihr Gegenüber ein.
„DIESE HÜNDIN namens Cora ist nicht über 30. Du wirst es schon noch erfahren.“
Die Edelfrau kullerte mit den Augen und senkte den Blick.
„1547 waren wir wieder in diesem Haus. Es war vom Altern gezeichnet. Da es oben knarzte und quietsche, wenn wir liefen, gingen wir wieder herunter. Dort kamen wir in die Kemenate, in der wir DIE HÜNDIN … WEGEN DER DIREKTIVEN .. vor 34 Jahren zurückgelassen hatten.“
„Ich muss dazu sagen, dass ich die Tür im Jahre 1513 nur angelehnt hatte, als wir gingen“, warf der Edelherr ein.
“Welche Tür?” fragte Blackrock.
“Wir hatten Cora doch in der Kemenate gefunden. Von da an war sie uns ja gefolgt. Wir mussten sie leider zurücklassen wegen der Direktiven.”
“Richtig!”
,Wir sind mit ihr wieder in die Kemenate gegangen, in der wir sie gefunden haben nd haben sie in den Schlaf gestreichelt. Ich brachte es nicht übers Herz, die Tür wieder zuzumachen. Ich ließ sie einen Spalt offen. Jedenfalls hatte dies zu nichts geführt, weil in der Kemenate ein toter weiblicher Hundekadaver lag, als wir nach 34 Jahren wieder dort waren. Die Tür musste wohl kurz nach unserer Abreise zugefallen sein.“
„Und DIE HÜNDIN tat mir so leid“, sagte die Edelfrau und kraulte Cora, die sich vor sie gesetzt hatte und mit der Rute wedelte, „Sie muss elendig verhungert sein. Ich möchte nicht wissen, was sie durchgemacht hat.“
„Ich habe langsam verstanden, dass es eine Hündin, also ein Weib, ist“, grunzte Blackrock.
„Wir hatten kurz darüber gesprochen, weil wir so frustriert waren“, mischte sich der Edelherr ein, „und uns wurde klar, dass Cora sowohl gestorben wäre, ob wir dagewesen wären oder nicht. Wenn wir nicht 1513 die Tür aufgemacht hätten, hätte sie nicht herausgekonnt und wäre verhungert. Ich hatte ja, als wir 1513 gingen, die Tür einen kleinen Spalt aufgelassen. Nicht die Tür angelehnt, sondern einen kleinen Spalt aufgelassen. Wir sind mit Cora dort hineingegangen und haben sie ja so lange gestreichelt bis sie eingeschlafen war. Dann sind wir langsam und ganz leise gegangen. Bevor sie wieder aufgewacht war, muss die Tür – wahrscheinlich durch einen Windzug – zugefallen sein.“
Blackrock nickte und sagte: „Klar!“
„Sie ist aus der Kemenate nicht herausgekommen. Sie ist vielleicht ein paar Stunden später gestorben, als wenn wir nicht eingegriffen hätten. So fuhren wir zurück nach 1513, zum gleichen Tag, aber ein paar Minuten später, als wir gegangen waren. Als wir wieder hineingingen ins Haus, kam uns Cora schon entgegen. Sie hatte uns gehört.“
„Dann habt Ihr die Direktiven nicht gebrochen“, lenkte Blackrock ein, „DER – DIE – HÜNDIN hatte keine Zukunft, was ja dadurch bewiesen ist, dass Ihr sie nach 34 Jahren tot aufgefunden habt. Und wie Ihr angemerkt hattet, in der Kemenate sowieso eingesperrt war. Sie hatte also keine Relevanz in der und für die Geschichte.“
Er grinste und bewegte seinen drohenden Zeigefinger hin und her: „Nochmal Glück gehabt.“


„Brot und Dinnerde wohlfeil“, rief das in Lumpen gekleidete Mädchen, „Brot und Dinnerde wohlfeil.“ Immer wieder rief sie dies, hielt ein Brot in den schmutzigen Händen und blieb mit ihrem halb-kaputten Wägelchen kurz stehen, um vielleicht einen Abnehmer zu erwischen. Nichts geschah, niemand sprach darauf an. Vielfach wurde sie einfach ignoriert. Sie zog den schwergängigen Wagen mit den teilweise defekten Rädern hinter sich her und ging weiter, während sie mit heiserner Stimme weiter ihre Sachen anpries.
Zwei in dunklem Braun Gekleidete gingen auf das Mädchen zu und drückten ihr etwas Kleingeld in die Hand. Sie wollte ihnen dafür ein Brot geben, doch sie lehnten ab. Während der eine dem Mädchen etwas Wichtiges zu sagen schien, legte ihr der andere ein paar kleine Beutel und Pakete unter den Broten in den Wagen. Der eine redete heftig auf das Mädchen ein und zeigte auf einen Zettel. Das Mädchen zuckte die Schultern, schüttelte den Kopf und schaute verdutzt. Der Mann redete plötzlich lauter und heftiger und zeigte mit einer Hand nach links, gestikulierte und machte ihm etwas weis. Das Mädchen nickte und verbeugte sich. Der Mann, der die Sache versteckt hatte, rief ihr hinterher: „Der Hufschmied Rudolf! Hast Du das verstanden?“
„Ja, Herr!“ krächzte es und ging den Wagen hinter sich herziehend los.
„Beeil Dich, Kind!“ schnauzte er, um seinem Ansinnen Nachdruck zu verleihen.
Als es verschwunden war, meinte einer der Männer: „Wie ich diese törichten Analphabeten hasse!“
Der andere nickte zustimmend und setzte seine Kapuze wieder vernünftig auf.
„Und man muss es ihnen zig mal erklären, zu wem sie gehen müssen, bis sie es begriffen haben!“


„Dann werde ich mal schauen, wo man sich hier am besten verstecken kann“, sagte der kräftig gebaute Mann zu sich selbst und schaute sich um.
In fünfhundert Württembergischen Ellen von ihm entfernt erstreckte sich ein dichter Wald.
Er steuerte sein Fluggerät darauf zu, umrundete ihn halb und blieb auf der anderen Seite des Waldes stehen. Das Fluggerät senkte sich langsam.
„Ach!“, sagte der Mann während des Landens, „Department ZDie Zeitpolizei Die „Behörde zur Ermittlung Temporaler Distorsionen” ist eine unabhängige Institution. Sie wird auch „Department Z” oder „Die Zeitpolizei” genannt. Sie ist zuständig dafür und kontrolliert, dass auf Zeitreisen keine Manipulationen stattfinden, denn das würde den Lauf der Geschichte ändern.  Sie arbeitet in der Regel im Verborgenen. ist auch hier.“


Es war ein wildes Treiben auf dem Markt, den der Marktvogt vor ein paar Wochen im Voraus hochoffiziell ausgerufen hatte.
Die Krämer boten ihre Waren an. Der Metzger briet sowohl frisch, verkaufte aber auch rohes und getrocknetes Fleisch an die Besucher. Nebenan gab es getrockneten Fisch, der jedoch stark und penetrant roch. Der Metzger hatte sich über den Gestank aufgeregt, doch niemand von den Verantwortlichen kümmerte sich darum. Auf der anderen Seite duftete es nach Kräutern, sodass der Fischgeruch etwas übertüncht wurde. Der Hufschmied schwang seinen Hammer mit Élan auf das glühende Eisen und schaute auf die staunenden Personen, die sich langsam an ihm vorbeiquetschten.
Hinter ihm stand ein Bastkorb mit kleinen Beuteln und einem Paket, dazu noch verschiedene Dinge aus Eisen.
Eine Hand griff durch die Leinenwand zum Korb, tastete etwas umher und griff sich einen Textilbeutel. Ruckzuck verschwand die Hand, verstaute anscheinend das Erhaschte und griff wieder zu. Zweimal, dreimal.
„Was macht ihr da?“, schrie plötzlich der Hufschmied, der sich kurz umgedreht hatte, „Ihr elendiges Gesindel!“
Schnell griff er seinem Hammer und warf ihn in Richtung des Korbs, in dem sich noch die Hand befand. Diese war aber nicht schnell genug und der Hammer erwischte sie. Ein heller Schrei war zu hören.
„Schnell weg hier!“, rief jemand hinter der Leinenwand.
Der Hufschmied riss diese herunter und sah zwei Personen, eine Frau und einen Mann, der der Frau, die sich mit schmerzverzerrtem Gesicht die Hand hielt, aufhalf. Er griff noch einen Beutel und beide liefen weg. Der Hufschmied folgte ihnen mit schwingendem Hammer. „Wenn ich Euch erwische, seid Ihr tot.“
Die beiden Diebe gewannen schnell Vorsprung. Irgendwann gab der Hufschmied auf, weil sich die Masse der Menschen verteilt hatte und er nicht mehr genau wusste, in welche Richtung die beiden gelaufen waren.


Das Wetter war einigermaßen warm. An diesem Tag regnete es nicht und die Straßen trockneten schnell. Die beiden sehr gepflegten Personen schauten sich ein paar Anhänger des Goldschmieds an, kauften aber nichts. Dann nickten sie ihm freundlich zu und gingen zum nächsten Stand. Dort beim Bäcker fanden sie auch nichts. Sie drehten sich um und schauten in das ernste Gesicht eines Mannes, der gerade seine Filzmütze abgesetzt hatte.
„Entschuldigen Sie, Exzellenzen!“, sagte dieser und schaute den ihm gegenüberstehenden Mann entschlossen an. Die beiden angesprochenen reagierten nicht und verzogen keine Miene. Sie schauten durch ihn hindurch. Der Mann kam etwas näher.
„Die Behörde zur Ermittlung Temporaler Distorsionen!“, sagte der Mann, „mein Name ist Sergeant Didier Du Vent – vom Department Z.“.
Wieder reagierte niemand von den Zweien.
„Ich kann verstehen, dass Sie nicht die Direktiven brechen wollen, Frau Botschafterin und Herr Botschafter. Edelfrau und Edelherr von Syntronica. Ich bräuchte dringend Ihre Hilfe.“
Edelherr von Syntronica reagierte, indem er ihm zeigte, auf die gegenüberliegende Straßenseite zu gehen, wo nicht so viele Leute zugegen waren.
„Sergeant Du Vent, was kann ich für Sie tun?“
„Wir sind auf einer prekären Mission. Wir verfolgen eine Gruppe namens ‚Die Händler‘, wie sie sich selber nennt. Wir konnten vor knapp einer halben Stunde Gegenstände sicherstellen, die in dieser Zeit nichts zu suchen haben. Leider wurde meine Kameradin dabei verletzt. Wir flüchteten zu unserem Schiff, doch leider wurde dieses in der Zeit, in der wir hier auf dem Markt waren, sabotiert.“
„Das hört sich nicht gut an“, sagte der Botschafter, „Wie schwer ist ihre Kameradin verletzt?“
„Ich vermute, sie hat durch den Hammer, den der Schmied auf sie warf, die Hand gebrochen. Diese ist sehr angeschwollen.“
„Dann gehen wir zu ihrem Schiff!“


Edelfrau von Syntronica betastete erst behutsam die Hand der Frau von Department Z, dann etwas fester Diese jaulte kurz auf.
„Gebrochen ist Ihre Hand höchstwahrscheinlich nicht“, sagte sie nach der Begutachtung, „durch die Wucht des Hammers hat sich ein Hämatom gebildet, das sich ausdehnt. Deswegen tut es so weh.“
Die Angesprochene wollte etwas sagen, doch wurde durch ein lautes zischendes Geräusch unterbrochen. Die Edelfrau schrie erschrocken auf. Das Geräusch endete wieder, nachdem es kurz laut gepfiffen hatte im Schiff.
„Bekommt Ihr es in den Griff?“, rief sie lächelnd in Richtung des Maschinenraums.
„Nein, es sieht schlecht aus“, kam eine genervte Stimme aus dem Maschinenraum, „die Hauptdrossel an der Dampfmaschine wurde demoliert und die Transfereinrichtung interferiert nicht in dem Maße, in der sie sollte, da der Differentiator verschwunden ist. Wir können leider auch nichts umleiten oder reparieren, zumindest nicht im Moment.“
„Haben Sie oder Ihr Kamerad sich sonst noch verletzt?“, fragte die Edelfrau.
Die Frau schaute verdutzt.
„Nein, ich bin die einzige Verletzte.“
Die Edelfrau sah sich ihr Gegenüber nochmals mit prüfendem Blick an.
„Sind Sie bei Ihrer Flucht vielleicht unbemerkt verletzt worden, ohne es zu merken?“
„Nein! Warum fragen Sie?“
„Das Blut.“
Die Frau schaute sich um und fragte: „Wo sehen Sie denn Blut? Hier ist nichts.“
Die Edelfrau blickte um sich und sagte dann: „Das wundert mich allerdings. Vor dem Schiff hatte ich einige Blutspritzer und auch eine kleine Lache gesehen.“


„Vielen Dank!“, sagte Blackrock und deutete ein Kopfnicken in Richtung Annagrets an. Diese war die Hauswirtschafterin der Edelleute von Syntronica. Annagret verbeugte sich und verschwand. Er nahm sich eine Gabel und begann mit dem reichhaltigen Frühstück.
„Wie ist das mit Deiner Verletzung eigentlich passiert?“, fragte der Edelherr.
Blackrock schluckte den Inhalt seiner Mundhöhle herunter.
„Ihr wisst ja, dass ich nichts sagen darf …“, begann er, grinste und kniff beiden ein Auge zu, „… Ich war im Jahr 1339 unterwegs. Hinter einem Haus fand ich einen Toten, in dessen Hand sich seltsamerweise ein bedruckter Zettel befand. Das machte mich stutzig, denn – wie Ihr natürlich wisst – wurde der Druck erst in der Mitte des 15. Jahrhunderts erfunden. Ein weiteres Indiz war, dass der Zettel wie eine Donat-Kalender-Type aufgemacht war.“
„Hm!“, machte der Edelherr.
„Dort stand auch, dass ein Treffpunkt im Jahr 1542 auf einem Markt stattfinden solle. Es war auch suspekt, dass der Tote Kleidung trug, die eindeutig nicht in der Zeit hergestellt worden war, in der er sich befand. Bei genauem Hinsehen war auch seine Kopfhaltung seltsam. Der Kopf war überstreckt und das Gesicht war überdreht nach hinten.“
„Höchstwahrscheinlich Mord durch Genickbruch“, ergänzte die Edelfrau.
„So ist es. Ich habe mich dann vorsichtshalber entfernt und bin wieder in mein Schiff gestiegen, Richtung 1542 nach Balinga zum Markt, wie es auf dem ominösen Zettel stand.“
Die beiden Edelleute wechselten einen erstaunten Blick und die Edelfrau zuckte mit den Schultern. Blackrock war etwas irritiert, setze aber seine Erzählung fort.
„Als ich dort ankam, stand hinter einem Wald auch ein kleines Kampfschiff von Department Z. Ich hatte ja noch der Zeitära entsprechende Kleidung an und ging direkt raus. Dort kamen zwei Personen aus dem Kampfschiff. Einer von den Mönchen trug einen Differentiator für eine ZeittransfereinheitZeit-Transfer-Einheit Das wichtigste Bauteil der Zeitmaschine und von Zeitreisefahrzeugen (Zeitschiffe, Zeitluftschiffe u.v.m.)  Dieses ermöglicht erst Zeitreisen. in seinen Händen.“
Er trank einen Schluck Kaffee.
„Ich rief direkt: ‚Was machen Sie da?‘ Ohne eine Regung gingen sie weiter. Ich rannte auf sie zu und konnte nach einem ordentlichen Handgemenge den Differentiator an mich bringen. Plötzlich zog einer eine kleinkalibrige Pistole und schoss auf mich. Ich konnte in mein Schiff entkommen, aber war verletzt. Die Möchtegern-Mönche machten sich aus dem Staub. Verletzt, wie ich war, versuchte ich zu Euch zu kommen. Bedingt durch meine Verletzungen klappte es nicht bei den ersten Malen. Ich versuchte mich krampfhaft wach zuhalten. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich zwischendurch ohnmächtig war. Den Rest kennt Ihr ja.“
Er nahm noch etwas vom Frühstücksteller.
„Den Rest kennen wir, aber nicht Du.“


„Wie meinst Du das?“, wollte Blackrock wissen.
„War das ein Kampfschiff der Ramteid-Enibas-Klasse in Blaugrau?“
„Ja, wieso?“
Blackrock schaute die beiden verwundert an.
„Das ist jetzt nicht wahr“, begann die Edelfrau und verfiel in ein heiteres Lachen, in das ihr Gemahl auch einfiel.
Blackrock erstarrte und wusste nicht, wie ihm geschah.
„Lieber Blackrock“, begann Dietmar von Syntronica, „Wir waren durch Zufall an dem gleichen Tag dort, allerdings auf dem Markt.“
Blackrock fielen fast die Rühreier aus dem Mund.
Die Edelfrau nahm sich ein Tuch und wischte sich die Lachtränen weg.
„Als wir auf dem Markt waren, lief die ganze Zeit ein Mann hinter uns her“, erzählte der Edelherr, „Weil es ja nichts Ungewöhnliches ist, achteten wir nicht mehr darauf. In einem Moment, in dem sich die Menschentraube sich etwas gelichtet hatte, sprach er uns an. Es war jemand von Department Z und er hatte uns erkannt.“
Blackrock machte ein Gesicht, aus dem die Edelleute nicht schlau wurden. Er aß weiter, aber etwas langsamer als zuvor. Er schien angestrengt nachzudenken.
„Er bat uns um Hilfe, weil seine Kameradin verletzt worden war bei einem Einsatz auf eben diesem Markt. Ebenso erfuhren wir, dass irgendwelche Halunken während deren Abwesenheit das Kampfschiff sabotiert hatten. Als wir im Inneren des Schiffs waren, kam heraus, dass jemand die Maschine demoliert und den Differentiator demontiert hatte. Sie hätten in der Zeit festgesessen für immer.“
Blackrock entglitten die Gesichtszüge. Er schaut von links nach rechts, von der Edelfrau zum Edelherrn, mehrmals. Sein Mund stand offen.
Während Blackrock noch im inneren Chaos mit sich rang, setzte die Edelfrau nach:
„Du brauchst nicht zurück und das Ersatzteil dort hinbringen. Wir haben veranlasst, dass das Schiff mit den beiden zurück zum Hauptquartier kam.“


Es dauerte eine Weile, bis Blackrock seine Fassung wiedererlangte und die Situation begriffen hatte.
Er und die Edelleute waren zur gleichen Zeit in Balinga gewesen. Während er angekommen war, war er in eine Querele geraten. Etwas später hatte ein Mitglied von Department Z. die Edelleute um Hilfe gebeten. Blackrock war nach dem kleinen Intermezzo mit den Halunken hilfesuchend zu den Edelleuten geflogen. Während dessen hatten diese sich um diese und das sabotierte Schiff gekümmert.
Am nächsten Abend machte sich Blackrock wieder auf den Weg. Sein kleines schnittiges Zeitschiff hob ab und der Name war zu sehen:
„Carpe Noctem“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.