Aⅿ Rande einer Tagung der „Organisation der Zeitreisenden“ plauderten die Botschafter der Republik Chronaspheria, Sabine und Dietmar, Edelleute von Syntronica, aus dem Nähkästchen.

Wir wollten mit unserem Schiff gerade landen und hatten fast aufgesetzt, als uns eine Temporaldroschke rammte. Der Schaden war nicht groß und war binnen zweier Tage behoben.

Einige Tage später kamen wir aus dem Jahre 1794 zurück und wunderten uns, dass wir nicht in Monasteria, sondern irgendwo über der See materialisiert hatten.
Wie sich bei einem Termin in der Werkstatt herausstellte, war die Ortstransmissionsapparatur, nicht aber der Temporaltransmitter defekt, weswegen wir irgendwo in der Nähe von Babeldaob im Pazifischen Ozean auf einer Insel gelandet waren.
Wir vermuten, dass die Ursache der Unfall mit der Temporaldroschke war.

Die Insel mutete seltsam an, nachdem wir sie einige Zeit erkundet hatten.
Es gab dort sehr große bunte Vögel, die wir trotz unserer vielen Reisen nicht kannten.
Auch waren dort die Früchte sehr groß, das Gras war sehr hochgewachsen und die Halme sehr breit.

Hinter einer Lichtung sahen wir plötzlich etwas, das aussah wie ein großer Vogelkäfig, rund und oben eine Halbkugel aufgesetzt.
Als wir näher kamen, sahen wir, dass dort auf einem Holzpodest ein goldener Vogel saß. Unten auf dem Boden scharrten schwarze in der Erde.


Wir nehmen unsere Kamera und ich machte von meiner Gemahlin und Cora neben dem Käfig Lichtbilder.
Die großen Vögel reagierten nicht auf uns. Es kam mir so vor, als bemerkten sie uns gar nicht.


Wir tauschten kurz die Position. Und meine Gemahlin machte Lichtbilder von mir.


Plötzlich flatterte ein großer Vogel auf sie zu und setzte sich neben ihr.
Der Rabe sagte krächzend, aber immerhin verständlich zu ihr: „Bitte hilf mir!“.
„Was kann ich denn tun!“, fragte sie, denn der Rabe schien friedfertig.
„Der goldene Rabenkönig hat meine Frau und unsere Küken in seinen Palast gesperrt. Könnt Ihr die drei befreien?“
„In welchen Palast?“
„Hier dieser“, sagte er, während er den Kopf zum Käfig drehte, „da wo der andere Flügellose neben steht.“
„Ach! Du meinst meinen Gemahlen?“
„Wie immer Du ihn nennst. Er kann nicht fliegen, weil er flügellos ist.“
Sabine Edelfrau von Syntronica, lachte leise.
„Hast Du das gehört?“ wandte sie sich an mich.


„Wir helfen Dir gerne“, sagte ich und begann, den goldenen Rabenkönig zu ärgern, indem ich nach ihm griff und ihn provozierte.
Währenddessen grub Cora hinter ihm, sodass er es nicht sehen konnte, ein Loch, damit die anderen, schwarzen Raben sich befreien konnten.
Der goldene Rabenkönig wurde richtig aggressiv und ich hatte Angst um meine Finger, die er jedoch nicht erwischte.


„Vielen Dank, Flügelloser“, gedankte sich der Rabe bei mir, „Ihr habt meine Familie gerettet.“
Cora hatte das Loch nach der Flucht seiner Rabenfrau und den Küken wieder zugebuddelt.


Nachdem wir von allen Befreiten Schnabel-Küsschen bekommen hatten, flogen sie noch in Eskorte mit uns zur unserem Luftschiff.

Frohen Mutes, etwas Gutes getan zu haben, flogen wir nach Monasteria, aber manuell.
Es dauerte etwas länger, aber wir kamen bald zu Hause an.

Nachdem wir die Ortstransmissionsapparatur reparieren gelassen hatten, versuchten wir nochmals Richtung Babeldaob zu fliegen.
Wir kamen dort auch an, doch wir fanden nirgends diese seltsame Insel.


Copyright/Inhaber des Urheberrechts dieser Geschichte:

Dietmar Schneidewind, www.d-sch.com

Eine Antwort auf Die Befreiung der Rabenfamilie

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