Auf dem ganzen Globus wütet die Seuche seit knapp einem Jahr.
„Der Sekundenzeiger der Geschichte“ durfte auf Anfrage einen sogenannten „Pest-Doctor“ bei seiner Arbeit begleiten. Natürlich darf nicht alles preisgegeben werden.

Es ist morgens halb sechs.
Der Angestellte der „Departments für Medizin und Hygiene“ verlässt sein Haus und begibt sich mit der pferdelosen Kutsche zum Bureau.

Dort zieht er sich um und trägt nun seine schwarze mit silbernen Knöpfen besetzte Jacke. Der Rest der Kleidung ist ebenfalls in Schwarz gehalten. Der Zylinder mit den Spike-Googles vermittelt genauso Autorität wie die Vogelmaske.
Diese zieht er aber erst später über.

„Sechs Uhr“, sagt er, nachdem er kurz die Berichte gelesen hat, „Es ist wichtig, immer auf dem Laufenden zu sein. Es gibt immer wieder neue Gesetze zur Eindämmung der Seuche. Was gestern noch galt, kann heute schon Vergangenheit sein.“

Bevor eine die Ehrfurcht erregende Vogelmaske aufsetzt, hängt er sich seine gewaltige achtläufige Waffe – Er nennt sie „Brainsaw“ – um.

„Ich bin gespannt, was der heutige Tag bringt.“

Er tritt hinaus in die kalte Luft von Monasteria und beginnt seine Runde.
Er schaute immer wieder nach links und rechts. Dann horcht er. Auf dem großen Dom-Platz mit den ehernen Käfigen ist es zugig und eiskalt. Schnee liegt auf dem Boden, dazwischen Eis, das vom geschmolzenen Schnee vor Einbruch der Dunkelheit herrührt.
Es ist leicht nebelig und die Feuchtigkeit zieht durch die Glieder.

Auf dem Marktplatz hält eine mit Pferden bespannte Kutsche. Zwei Personen stehen neben den Bänken und dem Holzhäuschen.
„Bitte setzen Sie Ihre Gesichtstücher auf!“, ruft ihnen der Pest-Doktor entgegen, „auch auf dem Gelände der Personenverkehrsbranche besteht Vermummungspflicht.“
Beide erschrecken, stellen ihr Gespräch ein und verhüllen sich.
„Vielen Dank! So helfen Sie alle zu schützen“.

„Es ist wichtig, die Bürgern nicht nur zu ermahnen, sondern auch das Gefühl zu vermitteln wie wichtig die Seuchen-Regeln sind.“

Plötzlich vibriert der gold-bordeaux-farbene Telefonhörer, der an seinem Kragenspiegel hängt. Die Leitung führt in die Gürteltasche.
„Ja, bitte?“
Er lüftet kurz die Vogelmaske, während er sich zum Häuschen dreht.
„Gut, in zehn Minuten bin ich dort.“

„Nahe des Da-Vinci-Museums war ein Aufmarsch, der gegen die momentanen Seuchen-Regeln verstößt. Da hier die Luft rein ist, werde ich mich zum Marktplatz begeben, da Kollegen am Museum sind. Sowas passiert alle paar Tage mal.“

Nach zehn Minuten geht der Pest-Doctor über dem Marktplatz Patrouille.
Zwei Personen ohne Vermummung kommen ihm entgegen, drehen doch sofort um.
„Bleiben Sie stehen!“, ruft der Pest-Doctor und beginnt zu rennen, „Stopp! Bleiben Sie stehen! Hören Sie? Stehen bleiben!“
Urplötzlich springen noch zwei Pest-Doctores zwischen zwei Häusern hervor und versperren den Zweien den Weg.
„Meine Herren! Hier ist für Sie Endstation, vorerst.“

Obligatorisch werden die Ausweise kontrolliert. Einer von ihnen hat seinen nicht dabei und wird ein paar Minuten später der Ordnungsbehörde übergeben, die alles Weitere veranlassen wird.

„Die Vermummungsantipoden sind sehr gefährlich für die Bürger und Mitmenschen“, erzählt der Pest-Doctor, „Sie könnten wie jeder andere die Seuche in sich haben und sie vielleicht ahnungslos an andere weitergeben. Sie sind stellenweise sehr rabiat.“

An der Schlottbom-Schule trudeln die ersten Lehrer und Schüler ein. Beim Anblick des Perst-Doctors ziehen viele vorsichtshalber nochmal ihre Vehüllungen fest.

So geht es den ganzen Tag bis um vier Uhr nachmittags.
Irgendwo stehen Personen zusammen und unterhalten sich ohne Verhüllung.
Mehrfach schreibt der Perst-Doctor Verwarnungen oder Strafmandate. Viele sind rabiat und sehen ihre Fehler nicht ein.
„Wer nicht hören will, muss fühlen“, kommentiert der Pest-Doktor.

Irgendwann ist vier Uhr nachmittags und die Schicht in der Kälte ist vorüber.
Im Bureau des „Departments für Medizin und Hygiene“ ist es schön warm.
Der Pest-Doctor kleidet sich um und schreibt noch kurz seinen Bericht.

„Eigentlich ein Tag wie jeder“, sagt er, „Morgen geht es um sechs Uhr wieder los. Nächste Woche bin ich dann wieder in der Verwaltung tätig.“

Als Geschenk bekommen wir zwei kleine Pest-Doctores in Wolle.

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