Die Temporalmechanik ist eine anerkannte Wissenschaft und wurde durch viele Beweise belegt. Sie ist in sich abgeschlossen und sehr stringent.
Sie ist die Grundlage von Zeitreisen.


Seit einiger Zeit drängt sich eine Glaubensrichtung in den Fokus, die die Gesetze der Temporalmechanik anzweifelt und behauptet, dass es nicht nur eine Zeitlinie, wie von der Temporalmechanik bewiesen, gebe.

Anhänger der sogenannten „Zeit-Scheiben-Theorie“ propagieren, dass es immer wieder neue „Realitäten“ gebe, wenn jemand eine Zeitreise unternähme.

Eine Zeitreise funktioniert nach deren Anhängerschaft folgendermaßen.
Wenn jemand eine Zeitreise starte, springe dieser nicht in die Zeitlinie nach vorne oder hinten (zurück), sondern es bilde sich direkt eine Gabelung.
Dort beginne eine parallele Realität.

Das heißt, dass die Zeitlinie, aus der man kommt, weiterexistiert. Bei der Zeit X, bei der die Zeitreise begonnen hat, bildet sich eine neue Zeitlinie, die vorher noch nicht existent war.
In dieser neuen Zeitlinie befindet sich der Zeitreisende nun.
Die Zeitlinie, in der er bis jetzt war, existiert weiter und läuft weiter.
Wenn der Zeitreisende eine Veränderung vornimmt, wirkt sich diese nicht auf die andere Zeitlinie – aus die er kommt – aus.

Ein Zeitreisender startet am Sonntag eine Zeitreise zum Dienstag, um den Geburtstag mit jemanden aus der Verwandtschaft zu feiern.

In dem Moment, in dem die Zeitreise beginnt, bildet sich eine auf der Realität vorher basierende Realität, die der Zeitreisende nun betritt.
Während der Zeitreisende sich nun in der parallelen Linie befindet, tötet er seinen Verwandten am frühen Morgen des Dienstags. Dieser existiert in der neuen Linie von seinem Tod an nicht mehr.

Wenn der Zeitreisende nun in seine Heimatzeit zurückkehrt, lebt der Verwandte noch. Das ist laut den Gesetzen der „Zeit-Scheiben“ abgesichert.
Am Dienstagmorgen steht der Zeitreisende auf, geht zur Arbeit und besucht seinen Verwandten am Abend, da dieser Geburtstag hat. Der Verwandte macht ihm die Tür auf und begrüßt ihn.

Dies ist laut der „Zeit-Scheiben-Theorie“ abgesichert, weil man den Verwandten ja nicht in dieser Realität getötet hat, sondern in einer neuen, parallelen Zukunft im Kontext einer Zeitreise.

Für eine Reise in die Zukunft mag dies noch eindeutig sein, aber wenn man in die Vergangenheit transferiert, wird es etwas anders.
Glaubt man den Anhängern der „Zeit-Scheiben“, müssen unendlich viele Realitäten existieren, die parallel gleich verlaufen. Dieser Realitäten sind immer gleich, die Zeitabläufe sind immer die gleichen und die selben, ohne eine auch nur winzige Abweichung.

Nennen wir die Zeitlinie, die für uns gilt, „Realität 1“ und unseren Planeten einfachhalber „Erde 1“!
Der Zeitreisende Meier von „Erde 1“ – im weiteren Kontext „Meier 1“ genannt, macht eine Zeitreise ins Mittelalter.
Er fliegt nicht rückwärts durch die „Realität 1“ zum Jahr 1374, sondern setzt über in eine andere Realität, die wir „Realität 2“ nennen.
Erst dann fliegt er rückwärts ins Mittelalter, allerdings auf „Erde 2“.
Falls er dort etwas ändert, wirkt sich dies auf die Zeitlinie seiner „Heimatrealität“ nicht aus, weil „Erde 2“ und „Erde 1“ parallel verlaufen. Wohl aber wirkt sich das auf die Realität und den weiteren Verlauf der Geschichte auf „Erde 2“ aus.

Wenn der Zeitreisende „Meier 1“ nun in seine Heimatzeit zurückkehrt, setzt er von der „Realität 2“ zur „Realität 1“ wieder über und fliegt in seine Gegenwart zurück. Diese hat sich ja nicht geändert, weil er die Veränderungen nicht in dessen Vergangenheit vorgenommen hat.
Die Gegenwart auf „Erde 2“ hat sich allerdings geändert, weil „Meier 1“ in die „Realität 2“ geflogen war.

Dies hört sich im Prinzip schlüssig an.

Der erste Widerspruch ist die Konstruktion der „Zeit-Scheiben“.

Es wird als „ehernes Gesetz“ betrachtet, dass die „Parallel-Realitäten“ immer gleich sind,
„Meier 1“ macht haargenau das gleiche wie „Meier 2“.
Das hieße, dass „Meier 2“ eine Zeitreise unternähme, wenn „Meier 1“ es tut.

Wohin kommen die beiden denn nun?

Was ist mit den anderen unendlich vielen Parallelwelten?

Wohin springen „Meier 3“, „Meier 4“ und so weiter?

Alles muss ja zeitgleich und synchron sein.
Der Zeitreisende Meier von „Erde 2“ nennt sich ja ebenfalls „Meier 1“ und sagt von sich, er wohne auf „Erde 1“ und käme zu „Erde 2“.

Dann wird es kompliziert.

Wir verallgemeinern also und sagen, dass ein Zeitreisender in eine parallele Realität springt und bei der Rückkehr wieder in die „Heimat-Realität“.

Nun wird es konfus. Wenn unendlich viele Meiers parallel, wie es die Anhänger der „Zeit-Scheiben-Theorie“ proklamieren, zu einer Zeitreise starten, kommen diese in Parallel-Realitäten an.

Wie kann es garantiert sein, dass sie nicht parallele Realitäten verändern, von denen andere Meiers kommen?

Hier kommt die „Gabelung“ ins Spiel.

Wenn „Meier 1“ von „Erde 1“ in die Zukunft eine Zeitreise startet, generiert sich eine Abspaltung, genannt Gabelung, die aus dem Zeitpunkt des Starts der Zeitreise eine andere Entwicklung nimmt. Das bedeutet, dass „Meier 1“ nicht in die Zukunft seiner „Erde 1“ kommt, sondern dazu parallel.
Wie oben nennen sie diese einfach gehalten „Erde 2“.

Geisteswissenschaftlich müsste man sie allerdings „Erde 1.2“ nennen.

Dort kann er tun und lassen, was er will, denn es hat ja keine Auswirkungen auf seine Heimat-Realität „Erde 1“.

Fliegt „Meier 1“ nun wieder zurück in seine Heimatzeit, landet er wieder auf „Erde 1“. Dort nimmt die Zeitlinie einen anderen Verlauf in der Zukunft, weil diese noch nicht geschrieben ist.

Komplizierter wird es mit Zeitreisen in die Vergangenheit.

„Meier 1“ startet zu einer Zeitreise in die Vergangenheit, ins Jahr 1374.

Er springt laut „Zeit-Scheiben-Theorie“ auf eine Zeitlinie, die es vorher noch nicht gab. Diese wurde erzeugt mit dem Zeitpunkt des Starts der Zeitreise.

Nun fliegt man zurück ins Jahr 1374.
Die Vergangenheit existierte aber noch gar nicht, da sich parallele Realitäten nur abspalten können von einer existierenden Zeitlinie, also ist hier ein Manko und Widerspruch.

Deswegen wurden die „Zeit-Scheiben“ eingeführt, um die Theorie der „Gabelung“ zu rechtfertigen, die aber nur als Zeitreise in die Zukunft gilt.
Die vielen Fragen bei der „Zeit-Scheiben-Theorie“ liegen in der Natur dieses Ansatzes.

Entweder springen unendlich viele parallel Realitäten in andere Realitäten oder bei jeder Zeitreise entstehen neue Gabelungen oder Verästelungen, die einen anderen Verlauf nehmen.

Was die „Zeit-Scheiben-Theorie“ nicht beantworten kann, ist eine „verkettete Zeitreise“.

Man stelle sich eine Zeitkreuzfahrt vor.

Diese startet mit einem Besuch der Eröffnung des Eiffelturms im Jahre 1889 und geht weiter über den Westfälischen Frieden im Jahre 1648, hinüber zur ersten Fahrt eines Automobils 1888, zum Ausbruch der „Tanzwut“ im Jahre 1374 und dann zurück in die Heimatzeit.

Der erste Sprung findet ins Jahr 1889 statt in eine parallele Realität, dann in eine andere Realität etwa 250 Jahre zurück. Dann springt man wieder 250 von dort aus nach 1888.
Zumindest 1648 musste sich eine neue Gabelung öffnen, damit man von 1648 aus in die Zukunft fliegt nach 1888.

Ganz kurios wird es, wenn man nun ins Jahr 1900 fliegt, denn es öffnet sich ja wieder eine neue Gabelung.

Wie kommt man in seine Heimatzeit und vor allem in seine Heimat-Realität zurück?

Darauf gibt die „Zeit-Scheiben-Theorie“ keine Antwort.

Man spricht auch nicht von einem Paradoxon, sondern „führende Köpfe“ sagen, die Realität leite einen schon richtig.

Da bringt die Temporalmechanik schon Antworten, die in der Realität bleiben.

Die „Zeit-Scheiben-Theorie“ ist ein Gedankenspiel ohne jegliche reale Grundlage.

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