hronisten aus dem Jahre 1222 erzählten von einem Kampf in den Südtiroler Dolomiten. Wie in vielen Geschichten war der Modus Operandi der Neid, die Liebe und die Eifersucht sowie die Rache.
Viel mehr Verbrechen gab es zu der Zeit eigentlich auch nicht.

Der König von der Etsch, der leider nicht namentlich erwähnt wird, hatte zur Vermählung seiner Tochter Similde geladen. Jeder Adelige war eingeladen, nur nicht Zwergenkönig Laurin, der einen wunderschönen Rosengarten besaß. Dieser schlich inkognito zur Brautschau, verliebte sich in Similde, raubte sie und nahm sie mit in seinen Rosengarten.

Die beiden Hauptgünstlinge Simildes, Wittich und Hartwig, wandten sich an Dietrich von Bern.
Diese stürmten den Rosengarten und die Recken Dietrichs von Bern hatten erst Probleme, mit Laurin fertig zu werden, da dieser nämlich einen magischen Gürtel besaß, der ihm die Kraft von zwölf Männern verlieh. Irgendwann verlor Laurin allerdings, weil der Zwölfmännergürtel wohl eher die Kraft von zwölf Zwergen verliehen hatte. Der Gürtel wurde im Kampf zudem auch noch zerstört.

Laurin hatte aber eine Überraschung in petto – die Tarnkappe.

Dietrich von Bern und seinen Recken gelang aber dennoch der Sieg, da Dietrich beobachtet hatte, wie sich Rosen, Sträucher und ähnliches bewegt hatten, die der unsichtbare Laurin gestreift hatte. Sie schlugen ihn und rissen ihn die Tarnkappe herunter.

Als Laurin aus seinem eigenen Rosengarten geschleppt wurde, um seine „gerechten Strafe“ – in dieser Zeit der Tod – zu bekommen, belegte er den Rosengarten mit einem Bann, dass dieser am Tag und in der Nacht für niemandes Auge sichtbar sein sollte.

Sabine, Edelfrau von Syntronica, und Dietmar, Edelherr von Syntronica erfuhren von dieser überlieferten Geschichte und flogen mit ihrem Zeitschff in die ganz frühe Antike des jetzigen Südtirols.

Nach einigen Anläufen fanden sie den Rosengarten schließlich.

Es war nämlich so, dass Laurin zwar den Bann zu Tag und zur Nacht über den Rosengarten gelegt hatte, in seiner Frustration aber vergessen hatte, die Dämmerung zu erwähnen.

Sie hatten also nur immer kurz Zeit, den für einige Minuten sichtbaren Rosengarten zu erkunden. Angst machte sich in ihnen breit, denn sie wussten nicht, was passierte, wenn die Dämmerung zu Ende ginge und sie sich noch dort aufhielten.
Sie wollten es auch gar nicht testen.
Nicht dass sie auf ewig in der Zwielichtdimension eingeschlossen gewesen wären!

Sie überlegten sich, dass die Tarnkappe aus schwerer Baumwolle oder Leinen gewebt sein musste.
Eines Morgens in der Dämmerung gaben sie ihrer holden Hündin Cora ein Stück alten Baumwollstoffs. Diesen Geruch sollte sie im Rosengarten suchen, doch leider fand sie nichts.

Am selben Tag in der Abendröte probierten sie es mit schwerem Leinen – Linnen – und siehe da, Cora fand etwas. Es lag ziemlich am Rande, fast schon abseits des Rosengartens.
Die Zeit hatte Löcher gefressen, doch es funktionierte noch.
Wenn Sabine, Edelfrau von Syntronica, den Stoff auf dem Schoß liegen hatte, hatte sie keinen Unterleib mehr, doch die Löcher ließen etwas von ihren Beinen sehen.
Cora hatte sich ein Stück der Tarnkappe quasi als Belohnung verdient und tollte durch das Schiff herum. Sie hatte richtig Spaß mit ihrem unsichtbaren Spielzeug.
Es sah schon komisch aus. Ab und zu, wenn sie es in ihrem Schnäuzchen trug, war die Nase bedeckt und nicht zu sehen. Ein anderes Mal fehlte ihr ein Beinchen. Wir hatten richtig Spaß an der Freude unserer Hündin.

„Ich versuche, die Löcher zu stopfen“, sagte Sabine, Edelfrau von Syntronica, und begann. Es sah sehr lustig aus, denn ab und an verschwand ihre Hand, dann war sie weder da.
Es dauerte etwas länger als sonst mit der Stopferei, denn einen Stoff zu bearbeiten, den man nicht sieht, ist nicht so einfach.

Nachdem sie fertig war, hatte der ganze Stoff seine Unsichtbarkeit wieder zurückerlangt.
„Ich bin mir fast sicher, dass die Tarnkappe etwas größer geworden ist“, bemerkte sie, „aber der Stoff hat sich trotz alledem regeneriert. Ich probiere mal, was passiert, wenn ich außen etwas dran häkle.“

Leider funktionierte dies nicht, denn man sah die Borde.
Von dem Gedanken, dass sie innen etwas hinzugefügt hatte und dass der Stoff sich regeneriert hatte, entstand die Idee, innen Löcher zu schneiden und von innen heraus die Tarnklappe peu a peu zu vergrößern.
In der Zeit, wenn die beiden zwischen ihren Abenteuern ausruhten, arbeitet Edelfrau von Syntronica an der Tarnkappe.
Der Edelherr werkelte in der Werkstatt des Schiffes an einem Lauringlas und verschloss etwas behandeltes Fluidum zwischen zwei Gläsern ein. So konnte man durch den „Laurin-Monokel“ die ansonsten unsichtbare Decke sehen. Oder besser gesagt, man konnte sehen, was sich darunter befand.

Irgendwann war der Stoff so groß geworden, dass sie ihr ganzes Schiff damit bedecken konnten.
Für eine Zeitreise optimal, denn so konnte niemand das Schiff außer ihnen sehen.

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