„Holde Maid, edler Recke, zieht das nächste Mal Kleidung in gesetzten Farben an! Nicht dass man meinet, Ihr wäret Vogelfreie. Oder viel schlimmer – Euch der Häresie bezichtigt.“
Die beiden Personen, denen der Rat galt, fühlten sich nicht angesprochen. Die Frau und der Herr schauten den an, der sie angesprochen hatte. Sie wollten etwas sagen, doch dann kam Bewegung in die Masse der langsam voranschreitenden Menschen.

„Macht Platz! Aus dem Weg!”, rief eine dominante Männerstimme, “Macht Platz für den Amtsschreiber! Aus dem Weg!“
Er ließ seine Peitsche vom Pferd aus kreisen und die Enden sehr nahe an den Köpfen des „Pöbels“ knallen, sodass diese erschraken und Reißaus nahmen oder sich demütig hinknieten und ängstlich verharrten.
Das Geklapper der Pferdhufe auf den Wegen wurde lauter.
Ein kleiner Tross ritt mit hohem Tempo durch Bebelingen. Dazwischen zogen Pferde eine Kutsche, in der der Amtsschreiber Joachim Aytinger saß. Er schaute nicht hinaus, sondern starrte auf irgendetwas, das auf seinem Schoß lag.
Als die Berittenen weg waren, begann das Treiben wieder an Worte und Bewegung zu gewinnen. Mitten drin die beiden, die etwas bunter angezogen waren als die anderen.


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hronisten aus dem Jahre 1222 erzählten von einem Kampf in den Südtiroler Dolomiten. Wie in vielen Geschichten war der Modus Operandi der Neid, die Liebe und die Eifersucht sowie die Rache.
Viel mehr Verbrechen gab es zu der Zeit eigentlich auch nicht.

Der König von der Etsch, der leider nicht namentlich erwähnt wird, hatte zur Vermählung seiner Tochter Similde geladen. Jeder Adelige war eingeladen, nur nicht Zwergenkönig Laurin, der einen wunderschönen Rosengarten besaß. Dieser schlich inkognito zur Brautschau, verliebte sich in Similde, raubte sie und nahm sie mit in seinen Rosengarten.

Die beiden Hauptgünstlinge Simildes, Wittich und Hartwig, wandten sich an Dietrich von Bern.
Diese stürmten den Rosengarten und die Recken Dietrichs von Bern hatten erst Probleme, mit Laurin fertig zu werden, da dieser nämlich einen magischen Gürtel besaß, der ihm die Kraft von zwölf Männern verlieh. Irgendwann verlor Laurin allerdings, weil der Zwölfmännergürtel wohl eher die Kraft von zwölf Zwergen verliehen hatte. Der Gürtel wurde im Kampf zudem auch noch zerstört.

Laurin hatte aber eine Überraschung in petto – die Tarnkappe.

Dietrich von Bern und seinen Recken gelang aber dennoch der Sieg, da Dietrich beobachtet hatte, wie sich Rosen, Sträucher und ähnliches bewegt hatten, die der unsichtbare Laurin gestreift hatte. Sie schlugen ihn und rissen ihn die Tarnkappe herunter.

Als Laurin aus seinem eigenen Rosengarten geschleppt wurde, um seine „gerechten Strafe“ – in dieser Zeit der Tod – zu bekommen, belegte er den Rosengarten mit einem Bann, dass dieser am Tag und in der Nacht für niemandes Auge sichtbar sein sollte.

Sabine, Edelfrau von Syntronica, und Dietmar, Edelherr von Syntronica erfuhren von dieser überlieferten Geschichte und flogen mit ihrem Zeitschff in die ganz frühe Antike des jetzigen Südtirols.

Nach einigen Anläufen fanden sie den Rosengarten schließlich.

Es war nämlich so, dass Laurin zwar den Bann zu Tag und zur Nacht über den Rosengarten gelegt hatte, in seiner Frustration aber vergessen hatte, die Dämmerung zu erwähnen.

Sie hatten also nur immer kurz Zeit, den für einige Minuten sichtbaren Rosengarten zu erkunden. Angst machte sich in ihnen breit, denn sie wussten nicht, was passierte, wenn die Dämmerung zu Ende ginge und sie sich noch dort aufhielten.
Sie wollten es auch gar nicht testen.
Nicht dass sie auf ewig in der Zwielichtdimension eingeschlossen gewesen wären!

Sie überlegten sich, dass die Tarnkappe aus schwerer Baumwolle oder Leinen gewebt sein musste.
Eines Morgens in der Dämmerung gaben sie ihrer holden Hündin Cora ein Stück alten Baumwollstoffs. Diesen Geruch sollte sie im Rosengarten suchen, doch leider fand sie nichts.

Am selben Tag in der Abendröte probierten sie es mit schwerem Leinen – Linnen – und siehe da, Cora fand etwas. Es lag ziemlich am Rande, fast schon abseits des Rosengartens.
Die Zeit hatte Löcher gefressen, doch es funktionierte noch.
Wenn Sabine, Edelfrau von Syntronica, den Stoff auf dem Schoß liegen hatte, hatte sie keinen Unterleib mehr, doch die Löcher ließen etwas von ihren Beinen sehen.
Cora hatte sich ein Stück der Tarnkappe quasi als Belohnung verdient und tollte durch das Schiff herum. Sie hatte richtig Spaß mit ihrem unsichtbaren Spielzeug.
Es sah schon komisch aus. Ab und zu, wenn sie es in ihrem Schnäuzchen trug, war die Nase bedeckt und nicht zu sehen. Ein anderes Mal fehlte ihr ein Beinchen. Wir hatten richtig Spaß an der Freude unserer Hündin.

„Ich versuche, die Löcher zu stopfen“, sagte Sabine, Edelfrau von Syntronica, und begann. Es sah sehr lustig aus, denn ab und an verschwand ihre Hand, dann war sie weder da.
Es dauerte etwas länger als sonst mit der Stopferei, denn einen Stoff zu bearbeiten, den man nicht sieht, ist nicht so einfach.

Nachdem sie fertig war, hatte der ganze Stoff seine Unsichtbarkeit wieder zurückerlangt.
„Ich bin mir fast sicher, dass die Tarnkappe etwas größer geworden ist“, bemerkte sie, „aber der Stoff hat sich trotz alledem regeneriert. Ich probiere mal, was passiert, wenn ich außen etwas dran häkle.“

Leider funktionierte dies nicht, denn man sah die Borde.
Von dem Gedanken, dass sie innen etwas hinzugefügt hatte und dass der Stoff sich regeneriert hatte, entstand die Idee, innen Löcher zu schneiden und von innen heraus die Tarnklappe peu a peu zu vergrößern.
In der Zeit, wenn die beiden zwischen ihren Abenteuern ausruhten, arbeitet Edelfrau von Syntronica an der Tarnkappe.
Der Edelherr werkelte in der Werkstatt des Schiffes an einem Lauringlas und verschloss etwas behandeltes Fluidum zwischen zwei Gläsern ein. So konnte man durch den „Laurin-Monokel“ die ansonsten unsichtbare Decke sehen. Oder besser gesagt, man konnte sehen, was sich darunter befand.

Irgendwann war der Stoff so groß geworden, dass sie ihr ganzes Schiff damit bedecken konnten.
Für eine Zeitreise optimal, denn so konnte niemand das Schiff außer ihnen sehen.

Ein Bericht unseres zeitreisenden Reporters aus Dresden

Dresden, 25. Dezember 1745. “Ich segne den Himmel für diese gute Nachricht“, rief König Friedrich II., nachdem der „Frieden von Dresden“ eingetreten war.
Er verheimlichte allerdings, dass er den Krieg angezettelt hatte.

Sechs Monate nach seiner Thronbesteigung im Jahre 1740 begann Friedrich Ⅱ. – auch „Der Alte Fritz“ genannt – am 16. Dezember den Ersten Schlesischen Krieg. Auslöser für seinen Angriff auf Schlesien war der Tod des habsburgischen römisch-deutschen Kaisers Karl VI., der ohne männlichen Erben geblieben war.
Dessen älteste Tochter Maria Theresia hatte gemäß einer bereits zu seinen Lebzeiten im Jahr 1713 angeordneten Thronfolgeregelung, der sogenannten Pragmatischen Sanktion, die Nachfolge angetreten.
So meinte Friedrich Ⅱ. die Muskeln spielen lassen zu müssen
Aus dem vermeintlich leichtem Spiel gegen Maria Theresia wurde ein grausamer Krieg, der alle Seiten Niederlagen und Verluste kostete.
Nach fast fünf Jahren harten Kriegs war der Heroismus gewichen gegen Frustration:
„Der Schmerz um gefallene Freunde ist der Wermutbecher, den die Vorsehung allen Kriegstriumphen beigesellt hat, um die übermäßige Freude am Siege herabzumindern.“

So kam es schließlich zum „Frieden von Dresden“ am 25. Dezember 1745.

Auf einer Zeitreise in die ganz frühen 1900-er-Jahre traf Dietmar Edelherr von Syntronica in New Orleans auf einen schwarzen Jungen. Dieser übte am Brunnen auf einer Tuba, die er, wie er sagte, dort gefunden habe.

Er saß in der Nähe des „Colored Waif’s Home for Boys“, in der er eingewiesen wurde, nachdem er in der Silvesternacht mit dem Revolver seines Onkels wild um sich geschossen hatte. Glücklicherweise war niemand verletzt worden, doch der kleine Louis musste nun einige Zeit in der Anstalt für obdachlose, afroamerikanische Jugendliche verbringen.

Nachdem er das Kornettspiel in der Anstalt gelernt hatte, hatte er ja anscheinend die Tuba gefunden und übte sehr oft darauf.
Der Edelherr spielte mit ihm zusammen ein Lied namens „Dippermouth Blues“.

Er sagte ihm allerdings auch, dass eine Tuba nichts tauge für einen so kleinen Jungen wie ihn und legte ihn ans Herz, Trompete zu spielen, was dieser auch tat. Die Trompete war ja auch so groß wie ein Kornett.

Anfänglich spielte der Junge noch in Etablissements im Rotlichtmilieu. Er wurde aber irgendwann entdeckt und schoss nach oben als Trompeter, Sänger und Schauspieler,

Da der kleine Louis Armstrong als Kind und junger Jugendlicher mit der Tuba geübt hatte, leierten seine Wangen durch das anstrengende Blasen aus.

Seine Schulfreunde nannten ihn deswegen „Satchel mouth“, was auf Deutsch „Schulranzen-Mund“ bedeutet.
Dies war eine hämische Anspielung auf seinen großen Mund und seine schlaffen Wangen.
Der Junge mit dem Schulranzen-Mund wurde irgendwann „Satchmo“ genannt, eben als Anspielung auf den „Satchel mouth“.

Satchmo alias Louis Armstrong wurde eine Berühmtheit.

Die Edelleute, Sabine und Dietmar von Syntronica, Botschafter der Republik Chronaspheria wollten wissen, ob der Öffentliche Personen-Luftschiff-Verkehr wirklich so schlecht ist, wie behauptet. Dafür setzten sie sich in die Wartehalle einer Luftschiff-Haltestelle.

Das Luftschiff kam leider gar nicht, sodass die Botschafter bis tief in die Nacht warteten.
Nichts passierte.

„Wir brauchen wirklich dringend eine neue Reform des Öffentlichen Personen-Luftschiff-Verkehrs“, kommentierte Dietmar, Edelherr von Syntronica den mehr oder weniger Selbstversuch, „Wir werden diese Schlampigkeit bei der nächsten Sitzung des Departments ganz oben auf die Agenda setzen.“

Diese seltsam anmutenden Personen sieht man momentan vermehrt.
Die scherzhaft genannten „Pest-Doctores“ sorgen während der weltumspannenden Epidemie, dass die Regeln eingehalten werden.


In diesem Jahr ist bekanntlich eine Seuche ausgebrochen, die sich von Asien über den ganzen Erdball verbreitet hat.
Diese Seuche hat zum Bedauern aller schon viele Menschenleben gefordert. Sie ist nicht zu unterschätzen, denn sie wütet seit über einem Dreivierteljahr.

Die Gesundheitsbehörden und Department Z kontrollieren gemeinsam, um das Einhalten der Maßnahmen zur Eindämmung der Seuche zu gewährleisten.

Die Organisation der Zeitreisenden hat bis auf Weiteres alle Zeitreisen verboten und untersagt. Visa wurden von offizieller Stelle annulliert.
Es darf nicht passieren, dass Zeitreisende die Seuche in andere Epochen bringen und dadurch die Geschichte und die Gegenwart ändern.